Datenreport · Aktualisiert Oktober 2026
Giftköder für Hunde in Deutschland: Was Polizei und Behörden in Berlin, Bremen und Thüringen tatsächlich zählen
Eine bundesweite Giftköder-Statistik gibt es nicht. Belastbare Zahlen liefern nur Antworten von Landesregierungen auf parlamentarische Anfragen. Thüringens Polizei fand 2024 bei einer Sonderrecherche 44 Sachverhalte mit Giftködern, Bremens Polizei zählte 19 Vorgänge von 2023 bis Juni 2026. Berlins Bezirke meldeten für 2024 genau 17 Verdachtsfälle, bestätigt wurde keiner, und eine Verurteilung nennt keine der Antworten.

Wichtigste Ergebnisse
- Deutschland hat keine bundesweite Giftköder-Statistik; in Berlin, Bremen und Thüringen entstanden die Zahlen nur durch nachträgliche Recherchen in Polizeisystemen und Ämtern.
- Die Thüringer Polizei fand 2024 in einer Sonderrecherche 44 Sachverhalte mit Giftködern in 16 Landkreisen und kreisfreien Städten.
- In den 44 Thüringer Fällen von 2024 starben nach polizeilichen Erkenntnissen 13 Tiere, 9 wurden tierärztlich behandelt.
- In Thüringen wurde 2024 nur in 2 von 44 Giftköder-Fällen gegen namentlich bekannte Personen ermittelt; ein Verfahren wurde mangels Tatnachweises eingestellt.
- Die Polizei Bremen registrierte von 2023 bis Juni 2026 insgesamt 19 Giftköder-Vorgänge in der Stadt Bremen: 12 nach § 17 Tierschutzgesetz und 7 als Sachbeschädigung.
- Bremens Veterinärdienst LMTVet führte 2023 bis Juli 2026 elf Strafverfahren wegen Giftködern und erkannte nur in 3 Fällen einen Zusammenhang zwischen Köder und Schaden am Tier.
- Berlins Bezirke meldeten für 2024 genau 17 Verdachtsfälle mit Giftködern, bestätigt wurde keiner; 2023 waren es 21 Verdachtsfälle, davon 3 bestätigt.
- Eine händische Recherche der Berliner Polizei ergab für 2021 zusammen 46 Fälle in den Bezirken, mit 8 betroffenen Hunden und einer Katze.
- Laut BfR betrafen 3.619 von 4.654 ausgewerteten Giftnotruf-Anfragen zu Biozid-Vergiftungen bei Tieren Hunde, das sind 77,8 %, meist durch Ratten- und Mäusegift.
- Gerinnungshemmendes Rattengift führt laut MSD Veterinary Manual typischerweise erst 3 bis 7 Tage nach der Aufnahme zu sichtbaren Blutungen.
Wie viele Giftköder gibt es in Deutschland?
Wie viele Giftköder in Deutschland ausgelegt werden, weiß niemand. Es gibt keine bundesweite Statistik, und Polizei und Ämter erfassen Giftköder nicht als eigene Kategorie. Berlin und Bremen schreiben das ausdrücklich. Zahlen entstehen nur, wenn ein Landesparlament nachfragt und die Polizei ihre Akten von Hand oder per Stichwort durchsucht.
Für diesen Report haben wir solche Antworten aus drei Ländern ausgewertet, die Fallzahlen mit einer Beschreibung der Methode enthalten. Es sind Berlin (2021 bis 2024), Bremen (2023 bis Mitte 2026) und Thüringen (2023 und 2024). Thüringen kam 2024 auf 44 Sachverhalte, Bremen von 2023 bis Juni 2026 auf 19 Vorgänge, Berlin 2024 auf 17 Verdachtsfälle.
Diese Zahlen lassen sich nicht zu einer Deutschlandzahl hochrechnen und auch nicht direkt vergleichen. Jedes Land hat anders gesucht: Thüringen per Sonderrecherche im Polizeisystem, Bremen per Stichwortsuche nach Straftaten, Berlin seit 2022 per Umfrage in den Bezirksämtern.
| Land | Quelle | Zeitraum | Gezählt wurden | Zahl | Bestätigt oder Folgen |
|---|---|---|---|---|---|
| Thüringen | Drs. 8/717, Innenministerium | 2024 | Sachverhalte aus Sonderrecherche der Polizei | 44 | 13 Tiere tot, 9 behandelt |
| Thüringen | Drs. 7/10013 | 1.8. bis 31.12.2023 | Sachverhalte aus Sonderrecherche der Polizei | 5 | kein Tier tot, 1 behandelt |
| Bremen (Stadt) | Drs. 21/876 S, Senat | 2023 bis Juni 2026 | Polizeivorgänge nach § 17 TierSchG und § 303 StGB | 19 | 1 Täter ermittelt, Verfahren eingestellt |
| Berlin | Drs. 19/21384, Senat | 2024 | Verdachtsfälle laut Bezirksämtern | 17 | 0 bestätigt |
| Berlin | Drs. 19/17733, Senat | 2023 | Verdachtsfälle laut Bezirksämtern | 21 | 3 bestätigt |
| Berlin | Drs. 19/10322, Senat | 2021 (bis 9.12.) | Fälle aus händischer Polizeirecherche | 46 | 8 Hunde, 1 Katze betroffen |
Thüringen 2024: 44 Giftköder-Fälle in 16 Kreisen und Städten
Die Thüringer Polizei fand für 2024 in einer Sonderrecherche 44 Sachverhalte, die mit Giftködern zusammenhängen. Die meisten Fälle gab es in Erfurt und im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt mit je 6. Die Landesregierung schreibt selbst, die Daten seien nicht abschließend valide.
Nach polizeilichen Erkenntnissen starben in diesen 44 Fällen 13 Tiere, 9 wurden tierärztlich behandelt. Welche Tierarten betroffen waren, nennt die Antwort nicht. Ob ein Tier starb, werde nicht in jedem Fall abschließend dokumentiert.
Für die fünf Monate von August bis Dezember 2023 hatte dieselbe Art der Recherche nur 5 Sachverhalte ergeben, ohne tote Tiere. Ob die Zahl 2024 wirklich stieg oder nur gründlicher gesucht wurde, lässt sich aus den Antworten nicht ablesen.

Quelle: Thüringer Landtag, Drucksache 8/717 vom 21.03.2025 (Antwort des Innenministeriums). Sonderrecherche im polizeilichen Datensystem, laut Landesregierung nicht abschließend valide. Nicht genannte Kreise: keine recherchierten Fälle angegeben.
Zahlen anzeigen
| Label | Fälle |
|---|---|
| Erfurt | 6 |
| Saalfeld-Rudolstadt | 6 |
| Nordhausen | 4 |
| Saale-Holzland | 4 |
| Eichsfeld | 3 |
| Schmalkalden-Meiningen | 3 |
| Sonneberg | 3 |
| Wartburgkreis | 3 |
| Altenburger Land | 2 |
| Gera | 2 |
| Greiz | 2 |
| Unstrut-Hainich-Kreis | 2 |
| Gotha | 1 |
| Ilmkreis | 1 |
| Weimar | 1 |
| Weimarer Land | 1 |
Diagramm einbetten
| Zeitraum | Sachverhalte | Tiere verstorben | Tiere tierärztlich behandelt | Ermittlungen gegen bekannte Personen | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| 1.8. bis 31.12.2023 | 5 | 0 | 1 | 1 | eingestellt nach § 170 Abs. 2 StPO |
| 2024 | 44 | 13 | 9 | 2 | 1 eingestellt, 1 laufend (Stand März 2025) |
In 2 von 44 Fällen ermittelte die Polizei 2024 gegen eine namentlich bekannte Person, das sind 4,5 %. Ein Verfahren wurde mangels Tatnachweises eingestellt, das andere lief im März 2025 noch.
Bremen: 19 Giftköder-Vorgänge bei der Polizei seit 2023
Die Polizei Bremen registrierte in der Stadt Bremen von 2023 bis Juni 2026 insgesamt 19 Vorgänge mit Giftködern. 12 davon liefen als Straftat nach § 17 Tierschutzgesetz, 7 als (versuchte) Sachbeschädigung nach § 303 Strafgesetzbuch. Die 19 Fälle verteilten sich auf 13 Orts- und Stadtteile.
Der Senat beschreibt die Methode offen: Es gibt kein zentrales System für Giftköder. Die Polizei hat eine manuelle Stichwortrecherche gemacht, und wegen gesetzlicher Löschfristen können ältere Fälle fehlen. Betroffen waren nach manueller Auswertung überwiegend Hunde.
In allen 19 Fällen wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ein Täter wurde ermittelt, für einen Fall aus 2024. Das Verfahren wurde nach § 170 Abs. 2 Strafprozessordnung eingestellt, weil ihm die Tat nicht nachgewiesen werden konnte.
Quelle: Bremische Bürgerschaft, Drucksache 21/876 S vom 04.08.2026 (Mitteilung des Senats). Manuelle Stichwortrecherche im polizeilichen Vorgangsbearbeitungssystem; wegen Löschpflichten können einzelne Fälle fehlen. 2026 nur bis Juni.
Zahlen anzeigen
| Label | § 17 Tierschutzgesetz | § 303 StGB Sachbeschädigung |
|---|---|---|
| 2023 | 6 | 1 |
| 2024 | 4 | 0 |
| 2025 | 1 | 6 |
| 2026 (bis Juni) | 1 | 0 |
Diagramm einbetten
| Jahr | Strafverfahren | Zusammenhang Köder und Schaden erkannt | Nicht erkannt |
|---|---|---|---|
| 2023 | 6 | 2 | 4 |
| 2024 | 1 | 0 | 1 |
| 2025 | 3 | 1 | 2 |
| 2026 (bis Juli) | 1 | 0 | 1 |
| Summe | 11 | 3 | 8 |
Der Veterinärdienst führt nur Fälle, in denen ein Tier betroffen ist. Von 11 Strafverfahren erkannte er in 3 einen Zusammenhang zwischen Giftköder und Schaden am Tier, also in 27,3 %. Betroffen waren Hunde und eine Katze. Welche Köder in Bremen gefunden wurden, steht im Abschnitt zu den Giften weiter unten.
Laboranalysen sind die Ausnahme. Der LMTVet ließ von 2023 bis Juni 2026 nur 5 Untersuchungen durchführen, jede kostet nach Angaben des Senats mindestens 130 €. Untersucht wird in Laboren der Universitätsmedizin Göttingen oder der LMU München. Eine feste Zusammenarbeit mit Tierarztpraxen zur Erfassung von Vergiftungen gibt es in Bremen nicht, und eine einheitliche Statistik plant der Senat nicht.
Berlin: Giftköder-Verdachtsfälle nach Bezirken
Berlins Bezirksämter meldeten für 2024 genau 17 Verdachtsfälle mit Giftködern, bestätigt wurde keiner. Für 2023 waren es 21 Verdachtsfälle, davon 3 bestätigt, alle in Tempelhof-Schöneberg. Die Polizei Berlin kann solche Fälle nach Angaben des Senats im automatisierten Verfahren nicht recherchieren.
Die Berliner Zahlen schwanken stark mit der Methode. Für 2021 ließ der Senat die Polizei von Hand im System POLIKS suchen und kam auf 46 Fälle in den Bezirken. Ab 2022 fragte er stattdessen die Bezirksämter, die nach eigener Aussage nur vereinzelte Verdachtsmeldungen bekommen und sie nicht durchgängig erfassen.
Bei den betroffenen Tieren nennt Berlin kleine Zahlen. 2021 waren es 8 Hunde und eine Katze, gegen eine ermittelte tatverdächtige Person wurde das Verfahren eingestellt. 2024 erkrankte in Lichtenberg ein Hund an einem vermuteten Köder, in Treptow-Köpenick wurde ein verletzter Hund ohne weitere Nachweise gemeldet. In Pankow starben 2024 drei Waschbären, wobei der Bezirk Rattengift aus der Schädlingsbekämpfung nicht ausschließt.
Quelle: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/10322 (Antwort vom 20.12.2021), POLIKS-Recherche, Stand 9. Dezember 2021. Laut Senat nur eingeschränkt aussagekräftig. Prenzlauer Berg steht in der Quelle als eigene Zeile, obwohl es zu Pankow gehört.
Zahlen anzeigen
| Label | Fälle |
|---|---|
| Steglitz-Zehlendorf | 9 |
| Mitte | 5 |
| Treptow-Köpenick | 5 |
| Friedrichshain-Kreuzberg | 5 |
| Lichtenberg | 4 |
| Marzahn-Hellersdorf | 3 |
| Pankow | 3 |
| Charlottenburg-Wilmersdorf | 3 |
| Reinickendorf | 3 |
| Tempelhof-Schöneberg | 2 |
| Prenzlauer Berg | 2 |
| Neukölln | 1 |
| Spandau | 1 |
Diagramm einbetten
| Jahr | Methode | Fälle oder Verdachtsfälle | Bestätigt | Betroffene Tiere laut Senat |
|---|---|---|---|---|
| 2021 | händische Polizeirecherche (POLIKS) | 46 | keine Angabe | 8 Hunde, 1 Katze |
| 2022 | Abfrage der Bezirksämter | Pankow 4, Tempelhof-Schöneberg 5 bestätigt | 5 | 4 vergiftete Füchse |
| 2023 | Abfrage der Bezirksämter | 21 | 3 | 3 vergiftete Füchse; 1 toter Hund von einer Tierärztin gemeldet, nicht bestätigt |
| 2024 | Abfrage der Bezirksämter | 17 | 0 | 1 Hund erkrankt, 1 Hund verletzt ohne Nachweis; 3 tote Waschbären, Ursache unklar |
Ein längerer Blick ist nur für einen Bezirk möglich. Für Marzahn-Hellersdorf ergab eine händische Polizeirecherche von 2016 bis 2021 zusammen 13 Fälle, zwischen 0 und 6 pro Jahr. Das Bezirksamt selbst kannte in diesen Jahren keinen Fall gezielter Vergiftung und warnte vor bewusst gestreuten Falschmeldungen.
Ein Trend lässt sich aus den amtlichen Zahlen nicht ablesen
Ob Giftköder häufiger werden, lässt sich aus amtlichen Zahlen nicht sagen. Keine der ausgewerteten Antworten enthält eine Zeitreihe, die über mehrere Jahre gleich gezählt wurde. Die einzige längere Reihe betrifft den Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit 0 bis 6 Fällen pro Jahr von 2016 bis 2021.
Auch diese Reihe ist wackelig. Für 2021 nennt die Antwort von März 2022 sechs Fälle in Marzahn-Hellersdorf, die Antwort vom Dezember 2021 dagegen drei. Der spätere Stand umfasst das ganze Jahr und eine eigene Suche. In vier der 13 Fälle konnte die Polizei jeweils eine tatverdächtige Person ermitteln.
Quelle: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/11257 (Antwort vom 30.03.2022), POLIKS-Recherche, Stand 21. März 2022. Laut Senat keine validen Daten, nur eingeschränkt aussagekräftig.
Zahlen anzeigen
| Label | Fälle |
|---|---|
| 2016 | 1 |
| 2017 | 0 |
| 2018 | 1 |
| 2019 | 4 |
| 2020 | 1 |
| 2021 | 6 |
Diagramm einbetten
Giftköder-Warnungen in Apps und Facebook-Gruppen
Warnungen in Apps und Gruppen sind Hinweise von Nutzern, keine geprüften Fälle. Der Giftköder-Radar von Dogorama, den auch der Berliner Landestierschutzbeauftragte empfiehlt, beschreibt als Prüfung nur, dass andere Nutzer Meldungen bestätigen können. Gesamtzahlen nach Stadt, Land oder Jahr veröffentlicht der Dienst auf seiner Giftköder-Seite nicht.
Wir verwenden deshalb keine Zahlen aus solchen Diensten. Rankings der angeblich gefährlichsten Städte, die auf App-Meldungen beruhen, können auch einfach abbilden, wo viele Menschen die App nutzen. Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf berichtete 2022 von etwa 1 bis 2 Hinweisen pro Jahr auf Zufallsfunde, etwa weißes Pulver nach dem Düngen, hinter denen Giftköder vermutet wurden.
Trotzdem lohnt es sich, einen Fund ernst zu nehmen. Der Berliner Landestierschutzbeauftragte rät, den Fund der Polizei, der Veterinärbehörde und der zuständigen Parkbehörde zu melden. Gebiete mit vielen aktuellen Fundmeldungen sollten Halter möglichst meiden.
- Fund der Polizei melden. In Bremen stellt die Polizei mutmaßliche Köder als Beweismittel sicher und kann eine toxikologische Analyse veranlassen.
- Zusätzlich die Veterinärbehörde und, im Park, die zuständige Parkbehörde informieren, wie es der Berliner Landestierschutzbeauftragte empfiehlt.
- Gebiete mit aktuellen Fundmeldungen möglichst meiden.
- Den Hund trainieren, Fressbares am Boden zu ignorieren, und nach dem Spaziergang die Pfoten waschen. Auch das rät der Berliner Landestierschutzbeauftragte.
Welches Gift ist in Giftködern und welche Symptome zeigt ein Hund?
In Bremen fand die Polizei unter anderem Rattengift, Gift in Wurst mit Holzspießen, Leberwurst mit Plastik, Rasierklingen in einer Frikadelle, vergiftetes Hundefutter und mit Gift versetzte Haferflocken. Ob ein Köder Gift enthält, zeigt erst eine Laboranalyse.
Rattengift ist bei Hunden die häufigste Ursache für Vergiftungen durch Biozide. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 9.670 Beratungsfälle zu Tiervergiftungen aus drei Giftinformationszentren ausgewertet, 4.654 davon gingen auf Biozide zurück. 3.619 dieser Anfragen betrafen Hunde, das sind 77,8 %. Das BfR vermutet als Grund, dass Ratten- und Mäusegift früher oft als Fraßköder ausgelegt wurde.
Gerinnungshemmendes Rattengift wirkt verzögert. Laut MSD Veterinary Manual zeigen sich Blutungen typischerweise 3 bis 7 Tage nach der Aufnahme, etwa Nasenbluten, Schwäche oder Atemnot. Schneckenkorn mit Metaldehyd wirkt dagegen schnell: Krämpfe, Zittern, Speicheln und Überhitzung beginnen 30 Minuten bis 6 Stunden nach dem Fressen.
Giftköder sind nicht die einzige Gefahr am Wegesrand und zu Hause. Auch Schokolade, Xylit, Weintrauben und Zwiebeln können Hunde vergiften. Welche Lebensmittel sicher, bedenklich oder giftig sind, zeigt unser Daten-Check zu Lebensmitteln für Hunde.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung, Mitteilung 012/2026 vom 25.02.2026. Daten aus unterschiedlichen Zeiträumen, teils ab 1997. Übrige: Differenz aus 4.654 Anfragen, eigene Berechnung.
Zahlen anzeigen
| Label | Anfragen |
|---|---|
| Hunde | 3.619 |
| Katzen | 621 |
| Übrige Tiere oder ohne Angabe | 414 |
Diagramm einbetten
| Gift oder Gegenstand | Typische Anzeichen | Wann | Quelle |
|---|---|---|---|
| Gerinnungshemmendes Rattengift (Cumarine wie Warfarin und Nachfolger) | Blutungen, Appetitlosigkeit, Schwäche, Nasenbluten, Atemnot | Blutungen meist 3 bis 7 Tage nach Aufnahme | MSD Veterinary Manual |
| Schneckenkorn mit Metaldehyd | Taumeln, Krampfanfälle, Überhitzung, starkes Speicheln, Zittern | 30 Minuten bis 6 Stunden nach Aufnahme | MSD Veterinary Manual |
| Rasierklingen, Nägel, Holzspieße, Plastik | Verletzungen im Maul und Verdauungstrakt | keine Angabe in den Quellen | Bremer Senat (gefundene Köder) |
Bei gerinnungshemmendem Rattengift gibt es laut MSD Veterinary Manual ein Gegenmittel, Vitamin K1, das die Tierarztpraxis gibt. Bei Metaldehyd gibt es kein spezifisches Gegenmittel. Bei schneller Behandlung in den ersten 24 Stunden erholen sich laut MSD die meisten Tiere innerhalb von 2 bis 3 Tagen. Was ein Notdienst nach der Gebührenordnung kostet, zeigt unser Report zur Tierarzt-GOT.
Laut BfR berichteten die Anrufer bei Hunden nur in etwa einem Fünftel der Fälle von Symptomen. Das BfR schließt nicht aus, dass Symptome erst nach dem Anruf auftraten. Eine Meldepflicht für Tiervergiftungen durch Biozide gibt es in Deutschland nicht.
Welche Strafe droht für das Auslegen von Giftködern?
Wer mit einem Giftköder einen Hund ohne vernünftigen Grund tötet oder ihm länger anhaltende erhebliche Schmerzen zufügt, macht sich nach § 17 Tierschutzgesetz strafbar. Es drohen bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Die Bremer Polizei zählte Giftköder außerdem als Sachbeschädigung nach § 303 StGB. Dafür drohen bis zu 2 Jahre, und schon der Versuch ist strafbar.
Nach § 17 wird in Bremen laut Senat ermittelt, sobald ein Tier zu Schaden kommt. Daneben erfasste die Polizei versuchte und vollendete Sachbeschädigung. § 314 StGB, die gemeingefährliche Vergiftung mit 1 bis 10 Jahren, betrifft nach seinem Wortlaut vergiftetes Trinkwasser und Waren für den öffentlichen Verkauf, nicht Köder im Park.
In der Praxis kommt es selten zu einer Strafe. In den ausgewerteten Antworten aus Berlin, Bremen und Thüringen wird kein Urteil genannt; alle Verfahren gegen ermittelte Personen, deren Ausgang bekannt ist, wurden eingestellt. Welche Regeln die Länder sonst für Hunde haben, zeigt unser Überblick zu den Hundegesetzen der Bundesländer.
| Vorschrift | Was sie erfasst | Strafrahmen |
|---|---|---|
| § 17 Tierschutzgesetz | Wirbeltier ohne vernünftigen Grund töten oder ihm aus Rohheit oder länger anhaltend erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügen | bis 3 Jahre oder Geldstrafe |
| § 303 StGB Sachbeschädigung | fremde Sache beschädigen oder zerstören; Versuch strafbar | bis 2 Jahre oder Geldstrafe |
| § 314 StGB Gemeingefährliche Vergiftung | Wasser in Quellen, Brunnen, Leitungen, Trinkwasserspeichern oder Waren zum öffentlichen Verkauf oder Verbrauch vergiften | 1 bis 10 Jahre |
Hundebisse werden in einigen Ländern deutlich genauer gezählt als Giftköder. Wie solche amtlichen Statistiken aussehen, zeigt unser Report zu Beißvorfällen mit Hunden.
Häufige Fragen
Gibt es eine bundesweite Statistik über Giftköder?
Nein. Eine bundesweite Zählung von Giftködern gibt es nicht, und auch die Länder erfassen sie nicht gesondert. Zahlen gibt es nur aus Antworten einzelner Landesregierungen auf parlamentarische Anfragen, etwa aus Thüringen, Bremen und Berlin.
Wie viele Giftköder-Fälle gab es 2024 in Thüringen?
Die Polizei fand in einer Sonderrecherche 44 Sachverhalte mit Giftködern. 13 Tiere starben nach polizeilichen Erkenntnissen, 9 wurden tierärztlich behandelt. Die Landesregierung nennt die Daten nicht abschließend valide.
Wie viele Giftköder gab es in Berlin 2024?
Die Berliner Bezirksämter meldeten 17 Verdachtsfälle, keiner davon wurde bestätigt. 2023 waren es 21 Verdachtsfälle, davon 3 bestätigt in Tempelhof-Schöneberg.
Wie viele Giftköder-Fälle hatte Bremen?
Die Polizei registrierte in der Stadt Bremen von 2023 bis Juni 2026 insgesamt 19 Vorgänge: 12 nach § 17 Tierschutzgesetz und 7 als Sachbeschädigung. Ein Täter wurde ermittelt, das Verfahren wurde eingestellt.
Wie schnell wirkt Rattengift beim Hund?
Gerinnungshemmendes Rattengift wirkt verzögert. Laut MSD Veterinary Manual treten Blutungen typischerweise 3 bis 7 Tage nach der Aufnahme auf. Deshalb sollte ein Hund auch ohne Symptome sofort zum Tierarzt, wenn er einen verdächtigen Köder gefressen hat.
Wie schnell wirkt Schneckenkorn beim Hund?
Schneckenkorn mit Metaldehyd wirkt schnell. Laut MSD Veterinary Manual beginnen Krämpfe, Zittern und Überhitzung 30 Minuten bis 6 Stunden nach dem Fressen. Laut MSD steckt Metaldehyd weltweit in über 80 % der Schneckenköder.
Welche Strafe gibt es für Giftköder?
Nach § 17 Tierschutzgesetz drohen bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, wenn ein Tier ohne vernünftigen Grund getötet wird oder erheblich leidet. Für versuchte oder vollendete Sachbeschädigung nach § 303 StGB drohen bis zu 2 Jahre.
Werden Täter von Giftködern gefasst?
Selten. In Thüringen wurde 2024 nur in 2 von 44 Fällen gegen bekannte Personen ermittelt, in Bremen in einem von 19 Fällen. Die bekannten Verfahren wurden mangels Tatnachweises eingestellt oder liefen noch.
Sind Giftköder-Warnungen in Apps verlässlich?
Nur eingeschränkt. Der Giftköder-Radar von Dogorama nennt als Prüfung nur, dass andere Nutzer Meldungen bestätigen können. Ein Eintrag in einer App ist kein bestätigter Giftköder. Funde sollten immer der Polizei gemeldet werden.
Methodik und Einschränkungen
Wir haben nur Quellen verwendet, die Fallzahlen mit einer Beschreibung der Zählweise veröffentlichen. Das sind Antworten der Landesregierungen von Berlin (Abgeordnetenhaus, Drucksachen 19/10322, 19/11257, 19/14885, 19/17733, 19/21384), Bremen (Bürgerschaft, Drucksache 21/876 S) und Thüringen (Landtag, Drucksachen 7/10013 und 8/717). Alle Dokumente haben wir im Original als PDF geöffnet.
Die Summen für Berlin 2021 (46 Fälle), 2023 (21) und 2024 (17) sowie für Thüringen 2024 (44) haben wir aus den Tabellen nachgerechnet. Für Thüringen stimmt die Summe mit der Angabe der Landesregierung überein. Anteile wie 4,5 %, 27,3 % oder 77,8 % sind eigene Berechnungen aus den amtlichen Zahlen.
Für Gifte und Symptome stützen wir uns auf das MSD Veterinary Manual mit seinen Kapiteln zu gerinnungshemmenden Rodentiziden und Metaldehyd. Dazu kommt die Mitteilung 012/2026 des Bundesinstituts für Risikobewertung zu Daten deutscher Giftinformationszentren. Die Gesetzestexte stammen von gesetze-im-internet.de.
Zahlen aus Apps, Facebook-Gruppen und Presseberichten ohne amtlichen Ursprung haben wir nicht verwendet.
Quellen
- Thüringer Landtag: Drucksache 8/717, Fälle von Giftködern in Thüringen, nachgefragt für das Jahr 2024 (21.03.2025), 44 Sachverhalte nach Landkreisen, 13 tote und 9 behandelte Tiere, Ermittlungen
- Bremische Bürgerschaft: Drucksache 21/876 S, Gefährliche Giftköder in Bremen (Mitteilung des Senats vom 04.08.2026), 19 Polizeivorgänge 2023 bis Juni 2026, Strafverfahren des LMTVet, gefundene Köderarten
- Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache 19/21384, Giftköder in Berlin im Jahr 2024 (Antwort vom 31.01.2025), 17 Verdachtsfälle nach Bezirken, keine bestätigten Fälle
- Außerdem herangezogen: Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache 19/17733, Giftköder in Berlin 2023 (Antwort vom 19.01.2024), Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache 19/14885, Giftköder in Berlin (Antwort vom 06.03.2023), Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache 19/10322, Giftköder in Berlin 2021 (Antwort vom 20.12.2021), Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache 19/11257, Giftköder in Marzahn-Hellersdorf (Antwort vom 30.03.2022), Thüringer Landtag: Drucksache 7/10013, Fälle von Giftködern in Thüringen, nachgefragt für das Jahr 2023 (03.05.2024), Bundesinstitut für Risikobewertung: Mitteilung 012/2026, Wie gefährlich sind Gifte für Hunde und Katzen? (25.02.2026), MSD/Merck Veterinary Manual: Anticoagulant Rodenticide Poisoning in Animals (Nov 2025), MSD/Merck Veterinary Manual: Metaldehyde Poisoning in Animals (Mai 2026), Tierschutzgesetz § 17 (gesetze-im-internet.de), Strafgesetzbuch § 303 Sachbeschädigung (gesetze-im-internet.de), Strafgesetzbuch § 314 Gemeingefährliche Vergiftung (gesetze-im-internet.de), Landestierschutzbeauftragter Berlin: Giftköder, Dogorama: Giftköder-Radar, Bayerische Staatszeitung (13.08.2020) mit LKA-Zahlen für Bayern, nicht verwendet, da keine amtliche Primärquelle, Schwäbische Zeitung mit LKA-Zahlen für Baden-Württemberg 2015 und 2016, nicht verwendet, da keine amtliche Primärquelle.
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